— Schalker Energiegespräch

Freie Fahrt für alter- native Kraftstoffe?

Diese Frage diskutierten Wirtschaftsvertreter beim Fachgespräch in Gelsenkirchen.

 

Ein intensiver Austausch zu den Herausforderungen, Chancen und Zukunftsperspektiven alternativer Kraftstoffe im Verkehrssektor bildete den Kern des jüngsten 6. Schalker Energiegesprächs, das am 2. März im Vorfeld der Bundesligapartie FC Schalke 04 – Hamburger SV in Gelsenkirchen stattfand. 20 Fachexperten diskutierten auf Einladung von GAZPROM Germania und unter der Moderation des Gasmarkt-Experten Heiko Lohmann über die Potenziale alternativer Kraftstoffe.

Am Ende der Veranstaltung lautete der Tenor der Runde, dass insbesondere drei Punkte relevant seien, um die Potenziale von Erdgas im Mobilitätsbereich zu heben. Zunächst gelte es, Kooperationen zu schließen und die Kräfte im Bereich aller alternativen Kraftstoffe zu bündeln einig. Als zweiter Punkt wurde einhellig gefordert, die ökologischen Vorteile von Erdgas als Kraftstoff noch stärker in das Bewusstsein der Klima- und Umweltschutzpolitik sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene einzubringen. Und schlussendlich sei die Branche selbst gefragt, den heute eher technologie-orientierten Fokus hin zu Mobilitätskonzepten zu entwickeln und dabei im Interesse der Endanwender auch den Schulterschluss mit anderen alternativen Antriebskonzepten wie der Elektromobilität nicht auszuschließen.

 

Die Basis für die Gesprächsrunde bildeten verschiedene Impulsvorträge. Den Auftakt machte der Generalsekretär des europäischen Verbands NGVA Matthias Maedge. Er berichtete über die internationale Perspektive von CNG und LNG. Hier zeige ein Blick nach Tschechien und Schweden, wo die Verkaufszahlen von Erdgasautos steigen, dass es neben den klassischen Märkten der Erdgasmobilität wie Italien oder Deutschland auch neue positive nationale Beispiele gibt. Auch in Brüssel gebe es positive Entwicklungen. So verlange die EU ab September 2017 Emissionstests für PKW auf der Straße und nicht mehr im Labor. „Dies wird konventionellen Kraftstoffen das Leben schwer machen und ist positiv für Erdgas“, berichtete Maedge.

 

Timm Kehler, Geschäftsführer von Zukunft Erdgas e.V., betrachtete die Potenziale von CNG und LNG aus der nationalen Perspektive. Er blickte dabei auf das „sportliche Ziel“, den Anteil von Erdgas am Energiemix im Kraftstoffsektor von derzeit 0,4 auf 4 Prozent bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. Um dies zu erreichen, müsse von der Politik laut Kehler vor allem das Thema Klimaschutz im Verkehrssektor noch ernster genommen werden. Wenn die Politik dies erkenne und die Rahmenbedingungen tatsächlich technologieoffen gestalte, werden auch entsprechende Maßnahmen seitens der Erdgaswirtschaft folgen. „Denn die Erdgastankstelleninfrastruktur und die Modelle der Hersteller sind nicht das Problem. Wir müssen noch stärker ins Bewusstsein der Kunden“, sagte Kehler.

 

Andreas Stücke, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Verband Flüssiggas, vertrat in der Runde die Position der Flüssiggas-Branche. Er brachte einen wesentlichen Punkt zur Sprache, der großen Anklang bei den Anwesenden Experten fand: „In unserem Verband sehen wir ein Gegen- einander im Gasmarkt, welches beseitigt werden muss. Nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, betonte Stücke. Denn auch für die LPG-Vertreter gelte, dass die Marktsituation schwierig sei und man eine „hohe Frustrationstoleranz“ benötige.

 

Als Vertreter der Fahrzeugindustrie lieferte Manfred Kuchlmayr, Leiter Unternehmenskommunikation der Iveco Magirus AG, einen Einblick in den praktischen Einsatz von LNG im Kraftstoffmarkt. Sein Statement versprühe Optimismus, konnte er doch auf positive Beispiele aus der eigenen Fahrzeugpalette und internationalen Projekten, etwa in den Niederlanden, verweisen. „Gerade im Schwerlastverkehr wird Erdgas positiv angenommen“, sagte Kuchlmayr. Zwar sorge der gesunkene Ölpreis für einen härter werdenden Wettbewerb, dennoch überzeugten LNG-Fahrzeuge durch geringe Ausfallzeiten und eine positive Umweltbilanz. Mit Blick auf den Einsatz von CNG stieß Kuchlmayr in das gleich Horn wie Andreas Stücke: „Bislang hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Wir müssen nun alle stärker kooperieren.“

 

Aus dem Blickwinkel der Elektromobilitätsbranche betrachtete Christian Klaiber, Geschäftsführer der Initiative Zukunftsmobilität, die gesamte Diskussion. Auch er appellierte an eine technologieunabhängige Zusammenarbeit. Die E-Mobilität profitiere zwar davon, in der Politik mehr Gehör zu finden als die Erdgas-Vertreter, so Klaiber. Aber aus seiner Sicht könnten langfristige Änderungen im Verkehr nur erreicht werden, wenn Mobilitätskonzepte generell überdacht würden. „Ein anderer Antrieb bringt nicht weniger Autos auf die Straße“, sagte er.

 

Die Sicht eines Mineralölkonzerns vertrat Tobias Wolny von BP. Er sprach von einer bislang ernüchternden Bilanz von CNG in Deutschland, eine mangelnde Infrastruktur sei indes aus seiner Sicht nicht das Problem. Vielmehr müsse an anderen Punkten nachgebessert werden. So seien Steuerermäßigungen wichtig und ebenso ein einheitlicher Ansatz in der europäischen Politik. Ein nationaler Alleinweg sei nur schwer gangbar, so Wolny.

 

Einen Ausblick lieferte abschließend Gerald Linke, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Er wies darauf hin, dass weiterhin ein Nebeneinander von LNG, CNG und LPG nötig sei. Die besten Aussichten seien derzeit im LNG-Bereich zu finden. Hier sei es einfacher, die Infrastruktur weiter auszubauen als bei CNG. Zudem helfe der Einsatz von LNG in der Schifffahrt. Umweltanforderungen im Binnenverkehr seien ein starker Anreiz, der letztlich aber auch für CNG gelte. So müsse im Sinne von Klima- und Umweltschutz beachtet werden, dass Erdgasautos in Ballungsgebieten nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt von Stickoxidemissionen und Rußpartikeln klar im Vorteil gegenüber Diesel seien, bilanzierte Linke.

 

 

 
 

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