— Energiegespräch

„Erdgas gehört auf die politische Agenda“

Beim Gazprom Energiegespräch diskutierten Experten den Klimaschutzplan der Bundesregierung.

 

Am Freitag, 15. Juli 2016 fand im Europa-Park anlässlich des GAZPROM Erlebnistages ein Energiegespräch zum Thema „Klimaschutzplan 2050“ statt. Mit dem Klimaschutzplan 2050 möchte die Bundesregierung Reduktionsschritte festlegen, um in Deutschland bis zum Jahr 2050 eine weitgehende Treibhausgasneutralität sicherzustellen. Der dafür vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in einem breiten Dialogprozess erarbeitete Massnahmenkatalog befindet sich derzeit noch in der Abstimmung.

Vor diesem Hintergrund diskutierten beim Fachgespräch unter anderem Prof. Dr. Manfred Fischedick (Vizepräsident des Wuppertal-Institutes), Dr. Tobias Bringmann (Geschäftsführer Verband kommunaler Unternehmen Baden-Württemberg) und Prof. Dr. Joachim Weimann (Lehrstuhlinhaber Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) die Rolle von Erdgas sowie die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die deutsche Wirtschaft.

 

Prof. Dr. Manfred Fischedick gab zum Auftakt einen ausführlichen Überblick zum Status Quo in der Klimaschutzpolitik. Ziel der Bundesregierung ist eine Reduktion der Emissionen von mindestens 40 Prozent bis 2020 und 80 bis 95 Prozent bis 2050. Das soll vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz gelingen. „Das Klimaabkommen von Paris ist für Politik und Gesellschaft eine gewaltige Herausforderung, das entschlossenes Handeln der Bundesregierung erfordert“, betonte Fischedick. Während sich der Ausbau alternativer Energien in der Stromerzeugung sehr dynamisch entwickle, bleibe ihr Anteil im Verkehrssektor deutlich einstellig, erklärte Fischedick. „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es nicht nur eine Stromwende, sondern vor allem auch eine Wärme- und Verkehrswende. Dabei kommt auch Erdgas eine Schlüsselrolle zu, da es deutlich weniger Emissionen verursacht als etwa Kohle oder Öl.“ Und was die Energieeffizienz betreffe, seien wir noch „meilenweit entfernt von den Zielen der Bundesregierung“, so Fischedick.

 

Daran knüpfte Prof. Dr. Joachim Weimann an und stellte die These auf, dass sich Deutschland angesichts seiner ambitionierten nationalen Klimaschutzziele nicht wie „ein guter Europäer“ verhalte. „Deutschland verfolgt strikt seinen eigenen Plan, doch nationale Alleingänge tragen nicht zum Klimaschutz bei. Wir brauchen einen international einheitlichen Preis für CO2-Emissionen, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen“, forderte Weimann. Der Grund für die Forderung ist, dass nur dann, wenn CO2-Emissionen überall mit dem gleichen Preis versehen werden, gesichert werden kann, dass die Vermeidung der Emissionen dort stattfindet, wo es am kostengünstigsten möglich ist. „Erfolgreicher Klimaschutz setzt Kosteneffizienz voraus. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, dass wir Instrumente einsetzen, die CO2-Vermeidung teurer machen als sie sein müsste.“

 

Jemand müsse mit gutem Beispiel vorangehen, um die notwendigen Veränderungen in der europäischen Klimapolitik in Gang zu setzen, entgegnete Dr. Tobias Bringmann. Ansonsten drohe eine riesige Lücke, wenn die Kraftwerke 2022 abgeschaltet und das Netz nicht weiter ausgebaut wird, warnte Bringmann. Gleichzeitig kritisierte er den unkontrollierten Ausbau der erneuerbaren Energien und forderte eine stärkere Berücksichtigung des Energieträgers Erdgas. „Erdgas gehört auf die politische Agenda. Die Planungen, den Einbau von Gasheizungen in Neubauten ab 2030 zu verbieten, ist ein völliger Irrsinn. Dazu wird die Klimabilanz Deutschlands von der Kohleverstromung untergraben. Wenn die Bundesregierung an dieser Strategie festhält, dann wird sie kein einziges Klimaziel erreichen“, mahnte Bringmann.

 
 

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