— Expertengespräch

Energiesystem der Zukunft

In Gelsenkirchen diskutierten Experten den Status quo und die zukünftige Ausrichtung des Energiesektors.

 

Die Energiewende und die Rolle von Erdgas standen im Mittelpunkt des 5. „Schalker Energiegesprächs" am 28. Oktober auf Schloss Berge in Gelsenkirchen. Mehr als 30 Entscheider aus Energiewirtschaft und Politik waren der Einladung von GAZPROM Germania gefolgt. Vyacheslav Krupenkov, Hauptgeschäftsführer von GAZPROM Germania, begrüßte dazu beiden Referenten Dr. Harald Hecking vom Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Uni Köln und Dr. Felix Christian Matthes vom Öko-Institut in Freiburg.

In seiner Begrüßungsansprache sagte Krupenkov, er wünsche sich in Sachen Energiewende eine „ehrliche Bestandsaufnahme“. Denn das energiepolitische Zieldreieck - Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit - werde mit dem aktuellen Markt- und Förderregime in Deutschland seiner Meinung nach nicht erreicht. Die CO2-Reduktion bliebe hinter den Planungen zurück, die Energiepreise hingegen würden steigen. Die Versorgungssicherheit habe nicht unbedingt zugenommen. Ihm fehlten mit Blick auf den Industriestandort Deutschland stabile Rahmen-bedingungen.

 

GAZPROM stehe mit dem Produkt Erdgas weiter zur Verfügung, um die deutsche Energiewende zu unterstützen, betonte Krupenkov. Denn Erdgas sei der ideale Partner zur Absicherung der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Deutschland sei der größte ausländische Abnehmer für russisches Erdgas. Die Übernahme des 50-Prozent-Anteils der WINGAS von BASF Ende September durch GAZPROM nannte er in diesem Zusammenhang "ein positives Signal für den wichtigsten Markt von GAZPROM in Europa".

 

„Mit GAZPROM als Alleingesellschafter wird sich die Position von WINGAS definitiv weiterentwickeln“, ergänzte Dr. Ludwig Möhring, Geschäftsführer der WINGAS. Nordwesteuropa sei ein attraktiver Markt, in dem sich Gazprom langfristig etablieren wolle. Die Übernahme der WINGAS passe entsprechend perfekt. "Das Unternehmen ist schon heute einer der wichtigsten Absatzkanäle für russisches Erdgas in Europa", so Möhring.

 

Eine Bestandsaufnahme der Energiewende präsentierte Dr. Harald Hecking, Geschäftsführer der EWI Energy Research & Scenarios GmbH. Er erinnerte daran, dass das oberste Ziel der Energiewende die Vermeidung von Treibhausgasen sei. Bei der CO2-Minderung sei in Deutschland schon viel erreicht worden. Allerdings werde es nun zunehmend schwierig und einhergehend immer teurer weitere CO2-Einsparungen hierzulande vorzunehmen.

 

Er stellte eine Modellrechnung vor mit einem kostenoptimalen Stromerzeugungsmix und ohne jegliche Subventionen für einen Energieträger. Dabei müsste eine Tonne CO2 mit 73 Euro bepreist werden, um eine CO2-Minderung von 40 Prozent bis 2030 in Deutschland zu erreichen. Wolle man eine CO2-Minderung von 55 Prozent bis 2030 erzielen, müssten pro ausgestoßener Tonne CO2 sogar 101 Euro in Rechnung gestellt werden. Hecking regte an, hier das Ausland besser mit einzubeziehen. Denn dort sei es bei einem viel geringerem Kostenaufwand möglich, CO2 einzusparen - man denke nur an die vielen ineffizienten Kohlekraftwerke in China oder Indien.

 

Dr. Felix Christian Mathes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts, wies in seinem Vortrag ,Energiemarkt der Zukunft’ darauf hin, dass der Energiemarkt nicht erst seit der Liberalisierung und der Energiewende im Wandel ist. Man erinnere sich an den Einstieg in die Kernenergie in den 1960ern oder den Aufbau der Erdgasversorgung in den 1970er Jahren in Deutschland, so Matthes. Was sich allerdings in Zukunft ändern werde, sei, dass die Energieversorgung „erheblich vielfältiger wird“.

 

Früher gab es beispielsweise vier große Stromerzeuger, die die konventionellen Kraftwerke in Deutschland betrieben haben, heute geht die Zahl durch die vielen Photovoltaikanlagen in die Millionen. Das führt dazu, dass die Energieversorgung dezentraler werde; gleichwohl werde die zentrale Strom- und Wärmeversorgung weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen. Das hänge mit der Struktur von städtischen und ländlichen Energieversorgungs- und Leitungssystemen zusammen.

 

Fakt sei aber auch, dass die Energieversorgung der Zukunft CO2-arm sein wird. Die Zukunft für Erdgas sieht Matthes dabei in der Industrie durch die Bereitstellung von Prozesswärme. In diesem Feld könne der Energieträger Erdgas mit seinen positiven Eigenschaften punkten.

 

 

 

 
 

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